
Das Zauberwort für Einsparung beim Hausbau lautet ja bekanntlich "Eigenleistung". Aber mal Hand auf's Herz: wirklich viel kommt da leider nicht in Frage. Als gelernte Augenoptiker sind Sandra und ich zwar im engeren Sinne Handwerker, aber das hilft leider wenig. Bei den Vertragsverhandlungen, bei denen unser Freund Holger mit anwesend war, preschte dieser plötzlich vor und sagte mal eben ganz locker und ein wenig unerwartet für uns: "Die Außenmalarbeiten machen wir dann mal in Eigenleistung!". Sandra und ich zuckten leicht zusammen, dachten dann aber wohl beide: 'Na ja, warum eigentlich nicht?'. Schließlich kann man dabei ein paar tausend Euro sparen. Also nickten wir artig und harrten der paar Bretter, die da wohl kommen würden.
Ende Mai war es dann soweit: Das Holz wartete darauf, von uns mit Farbe massiert zu werden. Die "paar Hölzer" entpuppten sich allerdings als ein halber nordschwedischer Landstrich... sauber zu netten, außenseitig ungehobelten Brettern verarbeitet. 750 Stück an der Zahl. Dazu noch ein Haufen langer Bretter und Paneele, die weiß lackiert werden mussten. Farbe, Lack, Pinsel und Rollen bekamen wir über den Malermeister bereitgestellt.
Wir starteten mit Hilfe einiger Freunde durch und stellten ziemlich bald mit Schrecken fest, dass Eigenleistung tatsächlich Arbeit ist. Wer hätte das geahnt? Bei herrlichstem Sommerwetter hockten wir also in einer großen Werkshalle in Heede und schwangen die Pinsel. "Falu Rödfärg", die original schwedische, rotbraune Holzfarbe mit hohem Eisenoxid-Anteil. Schnell entwickelten wir verschiedene Taktiken der Arbeitsteilung. Brett zu zweit auf die Böcke packen, jeder eine Hälfte anstreichen, die Kanten anmalen, Brett wenden, Rückseite anpinseln und dann zu zweit zum trocknen aufschichten. Der Voranstrich erfolgt verdünnt, 1 Liter Wasser auf 10 Liter Rödfärg. Ist allerdings nicht wirklich dünn... Kurze Zeit später sahen wir alle aus wie nach exzessivem Nasenbluten, schön rotbraun eingefärbt. Dazu riecht die Farbe auch noch intensiv nach Lebertran, was böse Kindheitserinnerungen heraufbeschwört.
Insgesamt haben wir für den Rotanstrich 4 1/2 lange Tage verbraten. Die weißen Lackierarbeiten haben wir letzten Sonntag begonnen, kommenden Samstag geht's dann damit weiter. Juhu!!! ;o)
Der Voranstrich erfolgt übrigens tatsächlich im unmontierten Zustand. Die Wände werden dann in der Halle vormontiert und auf der Baustelle - dann bereits fertig getäfelt - aufgerichtet. Steht der Rohbau, erfolgt dann noch ein unverdünnter Endanstrich.